In der gegenwärtigen Diskussion um die schnellstmögliche Verfügbarkeit von mehr als 14000 fehlenden Erzieherinnen und Erziehern müssen wir uns klar werden über unsere Prioritäten. Sicher wird niemand bestreiten wollen, dass der Ausbau eines differenzierten Betreuungsangebotes dringend erforderlich ist. Viele Menschen, besonders allein Erziehende, sind existentiell auf Kinderbetreuung angewiesen. Ihre Kinder aber brauchen nicht nur Betreuung, sie brauchen vor allem stabile Beziehungen und bestmögliche Förderung.
Das Gesetz verspricht: Eltern bekommen 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz
Das Grundgesetz garantiert: jeder, also auch das Kind, hat einen Rechtsanspruch auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit
Daraus kann nur folgen: der Kita-Platz, den das Kind durch den gesetzlichen Anspruch seiner Eltern erhält, muss bestimmten Qualitätsanforderungen genügen, damit das grundgesetzlich garantierte Recht des Kindes gewährleistet ist. An diesem kann und darf es keine Abstriche geben, auch nicht aus Nützlichkeitserwägungen.
Im Hinblick auf Ausstattung und pädagogisches Personal muss dieser Platz also so gestaltet sein, dass er optimale Möglichkeiten für die motorische, psychische, sprachliche, intellektuelle und soziale Förderung und Entwicklung des Kindes bietet.
Der Begriff „Job“ klingt natürlich sehr modern, aber: die Arbeit mit Kindern, besonders die mit U3-Kindern, ist kein Job. Sie ist ein Beruf, und Beruf kommt von Berufung. Die Entscheidung für Kinder muss mit dem Herzen getroffen werden und darf nicht primär aus einer beruflichen Zwangslage kommen. Gerade das Kind im vor-sprachlichen Alter spürt sofort, wenn der, der sich ihm zuwendet, nicht aus vollem Herzen dabei ist, sondern eben „seinen Job macht“.
Ferner sind hohe Kompetenzen im fachlichen, didaktischen, methodischen, empathischen wie diagnostischen Bereich unverzichtbar.
Im Hinblick auf die große physische und psychische Belastung fängt beim Berufsanfänger i.d.R. die Jugend vieles auf, was die älteren ErzieherInnen durch Erfahrung zu meistern wissen.
Die Frage, wie ältere BerufsanfängerInnen mit all diesen Belastungen umgehen können, muss sehr nachdenklich stimmen?
Ohne die einzelnen Lösungsvorschläge hier diskutieren zu wollen, frage ich nur:
Sind wir wirklich bereit, im Zweifelsfall die Qualität der Quantität zu opfern, bei unseren Kindern einen Maßstab zu akzeptieren, den wir beim Kauf eines Autos, einer Waschmaschine, eines Fernseher empört zurückweisen würden?
Unsere Kinder sind das Wichtigste, das wir haben,
und so müssen wir sie auch behandeln!
GT